Fragmichwas
mit Arno Backhaus

Die ausfĂĽhrliche Fassung (vom 24. Sechsten 2003)
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Arno Backhaus. Der Liedermacher, Aktionskünstler, studierte Sozialarbeiter, ... (usw.) gab am 24. 6. 2003 ein Konzert in Unterweissach (Nähe Stuttgart)
 

Ideesamkeit:

Hallo Arno.
Könntest du kurz einen allgemeinen Überblick über dich geben? Etwas zu deinem Alter; wer bist du?

ARNO:

Gut, also mein Alter: Ich bin 53, bin seit 30 Jahren verheiratet. Wir haben drei Kinder. Die sind zum Teil groß und aus dem Haus. Ich komme aus der Nähe von Kassel, aus Calden - ein kleines Dorf. Dort gehöre ich zu ’ner eigenständigen Gemeinde. Das ist ein ökumenisches Zentrum. Es befindet sich in einer ehemaligen Diskothek, die wir umgebaut haben. Gegründet wurde die Gemeinde vor sieben Jahren.

Ich bin Jungscharleiter, gehör zum Leitungsteam und GrĂĽndungsteam unserer Gemeinde und bin studierter Sozialarbeiter. Seit knapp 30 Jahren selbständig als Liedermacher und E-fun-gelist („fun“ wie Englisch „Spaß“ geschrieben. Wir haben ja eine Frohbotschaft, keine Drohbot­schaft).  StraĂźenkĂĽnstler bin ich – ich mache StraĂźenaktionen - und Buchautor.  Dazu geb ich Seminare mit meiner Frau, Eheseminare - und ohne meine Frau. Und das zu unterschiedlichen Themen. So, das ist zu meiner Person. Schuhgröße zwischen 39 und 41.

Ideesamkeit:

Du bist ja landauf, landab für deine ideesamen Einsätze bekannt. Für Musik, Witze und alles Mögliche zusammen. Wie lautet denn deine Berufsbezeichung genau?

ARNO:

Oh, das ist schwierig. Wenn ich irgendwo was ganz offiziell schreiben muss, dann schreib ich: Liedermacher, Kaufmann und Sozialarbeiter. Aber das gibt nur ein bisschen wieder.

Ideesamkeit:

Und wie kommt man zu so einer ungewöhnlichen Tätigkeit? In welcher Ausbildungsstätte kann man Straßenmission, Liedermacherei und Sprücheausdenken lernen?

ARNO:

In der Lebensschule. Wenn du durch die Türen gehst, die Gott öffnet, und die Türen akzeptierst, die Gott schließt, dann landest du da, wo ich jetzt bin. D. h. ich hab mir das nicht ausgesucht. Das, was ich jetzt mache, wollte ich nicht. Ich habe nicht mit 17, als ich mich bekehrt habe, gedacht: Das werd ich. Ich wollte was ganz anderes, ich wollte Werbegrafiker werden. Und im Gespräch mit anderen und durch Gebet hat Gott mich dahin geführt, wo ich jetzt bin. Und wo ich in 10 jahren bin, weiß ich noch nicht.

Ideesamkeit:

Wenn man auf der Missionsschule in Unterweissach ne Ausbildung machen möchte, braucht man unter anderm auch ne Beauftragung von Gott, sprich: eine Berufung. Wie bekommt man eine Berufung zum Querbeet-Missionar, der so viele verschiedene Sachen macht?

ARNO:

Die bekommt man, indem man einfach Reaktionen von Leuten erhält: „Du hast mir weitergeholfen im Glauben.“ Oder: „Das hat mir ne ganz neue Sicht gegeben.“ Und dass Leute mich buchen oder haben wollen und sagen: „Wir möchten dich.“ Das könnte dahin deuten, dass das mein Job sein soll. Zum einen. Und zum andern: Dass ich mit Menschen umgeben bin, die mich korrigieren und mich trösten und ermahnen. Die also sagen: Ich denke, das ist dein Job, den solltest du machen. Oder sie sagen: Da bist du zu weit gegangen. Mach das nicht, beende das. Und dann im Gespräch mit Gott - also diesen Dreierklang. Also: Die Außenkontakte, die Anfragen, die Bestätigung von Freunden und Geschwistern, die mich persönlich sehr gut kennen, auch vom Ehepartner und in Bezug auf Gott, im Gebet.

Ideesamkeit:

Du brauchst also auch immer wieder Leute die dich dann korrigierenoder dir Tipps geben und sagen: So vielleicht nicht - oder auch: Genau das ist es?

ARNO:

Die brauch nicht nur ich, sondern die braucht jeder. Besonders die Menschen brauchen das, die vorne auf Bühnen stehen und vor Mikrofonen sprechen. Weil die leicht in der Gefahr stehen, eher als andere, abzuheben, und zu sagen: Wir können das ohne Korrektur und wir gehen unsern Weg, den wir wollen. Und das ist meine Kritik an vielen, die auf Bühnen stehen. Ob’s Musiker sind Pfar­rer, Pastoren oder E-fun-gelisten. Dass sie keinen Kreis haben, der sie korrigiert. Aber ich denke, dass sich das natürlich nicht nur auf sie bezieht, sondern auch auf ganz normale Christen. Wir brauchen Ergänzung, Korrektur, Ermahnung und Tröstung.

Ideesamkeit:

Deine Aktionen könnte man im positiven Sinne als verrückt oder als ausgefallen beschreiben. Wie steht deine Familie dazu? Machen die mit? Was sagen die dazu, dass du dauernd unterwegs bist?

ARNO:

Also meine Familie … Das sind jetzt drei Fragen: Ob sie mitmacht. Was sie dazu sagt, und dass ich unterwegs bin. Der erste Punkt ist, dass die Ehe bei mir an erster Stelle kommt. Dann kommt Familie. Dann kommt Gemeinde. Und dann kommt mein Job. Das ist die Reihenfolge in meinem persönlichen Leben. Also das heißt: Ehe und Familie kommt immer an erster Stelle. Das heißt, sie stehen schon dazu. Sie stehen hinter mir, hinter dem, was ich tue. Meine Frau ist z. B. ein ganz andrer Typ. Die ist nicht so verrückt oder macht nicht so grelle Sachen wie ich. Aber die unterstützt mich. Auch unsere Kinder sind sehr dafür und machen selbst schon mal Seminare bei den Jesus-Freaks über Sachen, die ich mache und die sie dann auch eingeübt haben.

Ideesamkeit:

Was mich noch intressieren würde: Kann man von Straßenaktionen, vom Bücherschreiben, vom Liedermachen und von ähnlichem leben?

ARNO:

Ja, ich lebe jetzt schon 53 Jahre. Scheinbar kann man das. Sonst müsst ich ja jetzt sehr mager sein, hier. Kann ich. Alleine vom Bücherschreiben kann ich’s nicht. Alleine von Konzerten kann ich’s auch nicht. Und alleine von anderen Aktionen kann ich’s nicht. Aber zusammen kann ich’s.

Ideesamkeit:

Welches Erlebnis bei Straßeneinsätzen oder Konzerten ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

ARNO:

Ein Gespräch in Nürnberg. Da hab ich Geld verschenkt auf der Straße. Und einer kam zu mir. Ein sehr reicher Mann, der Häuser renoviert und wieder verkauft. Ein Immobilientyp. Der fragte, was er mit dem Geld machen sollte. Und dann kamen wir über Gott ins Gespräch. Er hatte Probleme mit Jesus, dass er der einzige Weg zu Gott sei. Da haben wir lange drüber gesprochen. Er war sehr verletzt als Katholik, ehemaliger Katholik. Ist ausgestiegen, wollte gar nichts mehr mit Glauben zu tun haben. Ich hab ihn gefragt, ob man für ihn beten dürfte, auch da inner Fußgängerzone. Und er hat’s mir erlaubt. Ich hab dann für ihn gebetet. Er hat mich danach in den Arm genommen, hat geheult wie’n Schlosshund. Und hat sich bedankt. Das passiert öfters mal: Dass Leute, die vorher total gegen Gott und Glaube und sowas sind sich plötzlich bedanken, einen roten Kopf kriegen, heulen, das toll finden, dass man für sie betet. Hab ich nie verstanden, aber ist so. Das ist bei mir auch tief in Erinnerung geblieben.

Ideesamkeit:

Du warst auf dem Kirchentag. Da habe ich gemerkt, dass auch in unvorhergesehenen Situationen dein Humor zum Tragen kommt. Was wĂĽrdest du sagen, ist kennzeichnend fĂĽr deinen Humor?

ARNO:

Das Kennzeichnende ist einmal die Situationskomik und dass ich mich immer im Humor mit einschlieĂźe, das heiĂźt, immer auch ĂĽber mich selbst lache. Ăśber mein Versagen und ĂĽber meinen Erfolg. Und das Sich-selbst-nicht-wichtig-Nehmen. Ein wichtiger Punkt, den ich immer mehr einĂĽbe, trainiere. Weil Gott uns so wichtig genommen hat, dass er fĂĽr uns gestorben ist. Da brauchen wir das nicht mehr selbst tun. Das entlastet ungemein. Und das bin ich am Ăśben. Deshalb lach ich immer mehr ĂĽber mich und bemĂĽhe mich, ĂĽbe das, trainiere das ein, immer mehr gelassener zu sein, immer mehr barmherziger zu sein, immer mehr die Freude rauszubringen.

Ideesamkeit:

Ich kann mir vorstellen, dass bei missionarischen Aktionen aufer Straße wahrscheinlich auch Leute vorbeikommen, die davon nicht so begeistert sind und das störend finden. Wie kommst du mit Ablehnung und vielleicht auch Verachtung in solchen Situationen klar?

ARNO:

Ist für mich überhaupt kein Problem, weil ich damit von vorneherein rechne. Also ich hab damit Probleme, wenn mich Leute in meinem Umfeld missachten oder schneiden. Das kommt nicht so oft vor. Aber wenn das mal passiert, da hab ich mehr Probleme, als wenn ich in der Fußgängerzone von wildfremden Menschen als verrückt oder als Blödmann abgestuft werde. Oder jemand hat zu mir gesagt: „Im dritten Reich hat man solche Leute wie Sie vergast.“ Das macht mir nicht soviel aus. Oder wenn ich jetzt tot inner Fußgängerzone liege, da hab ich mal ’nen Eimer Wasser übern Kopp gekriegt. Da bleib ich natürlich liegen, da rühr ich mich nicht. Da bin ich cool. Das macht mir nix aus. Aber ich bin nicht gefeit gegen Ablehnung grundsätzlich. - Bei Fremden macht mir das nix. Das lass ich nicht in mich rein, die Ablehnung.

Ideesamkeit::

Du hast ja ziemlich alle erdenkbaren Tätigkeiten im kreativen Bereich getestet. Gibt’s irgendwas, was du inner Zukunft gern noch ausprobieren würdest?

ARNO:

Meine Ideen in meinem Kopf, in meinem Computer sind sehr vielfältig. Und ich hab sehr viele Ideen. Wenn ich mehr Zeit und Kraft hätte, würd ich noch mehr machen. Aber ich mache nicht alles, was ich machen wollte. Z. B. so ein Traum: Ich hab ja 10 Jahre bei uns im Dorf das größte christliche Musik- und Kulturfest in Deutschlandland veranstaltet mit vier- bis fünftausend Leuten jährlich. Das war so ein Traum, eine Vision, wo von klassischer Musik bis zu Hardrock, Balett, Kinderprogramm, Klamauk alles vorkam. Und das haben wir seit einigen Jahren beendet, das Festival. Was ich immer wieder träume, ich weiß nicht, ob’s jemals Wirklichkeit wird: Bei uns im Dorf gibt es sehr schöne Innenhöfe. So alte Gutshöfe. So Art Ritterburgen. Und da würd ich gerne mal ein klassisches Festival machen. Also klassische Musik, so sehr schöne Barockmusikstreicher und so, mit glücklichen Interpreten. Ob das jemals Wirklichkeit wird, ich weiß es nicht. Aber ich mach mir da auch keinen Stress. Ich mach immer nur Programme oder mach was Neues, wenn ich zuviel Zeit hab. Wenn ich keine Zeit hab, lass ich alles inner Schublade.

Ideesamkeit::

Jetzt bräucht ich noch zum Schluss ein einprägsames Schlusswort . Hättest du da eins?

ARNO:

Ein einprägsames ...
Man kan sich den ganzen Tag aufregen; man ist aber nicht verpflichtet dazu.

Ideesamkeit:

Dankeschön, Arno, für das Interview, und dass du dir Zeit genommen hast



(Das Fragmichwas fĂĽhrte: Ideesamkeit)

Wer weitere Infos über Arno Backhaus möchte:
www.arno-backhaus.de
Arnos Bauchladen findet sich unter:
www.arnobackhaus.de

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