Die vollständige “Rede von Pilatus”
(Textvorschlag für den Einstieg im Stundenentwurf “Warum musste Jesus sterben?” in der CVJM-Mitarbeiterhilfe)

Anmerkungen zur Verwendung am Seitenende.
 

Ich – wasche meine Hände
in Unschuld

Kann ja nichts dafür. Meine Idee war’s nicht.
Dornenkrone, Peitsche, Folter … auf meinem Mist
ist das nicht gewachsen.

Ist irgendwie auch komisch. Da kommt so ’n Mensch
(Jesus), erzählt, heilt und behauptet, er sei Gott.
Und dann lässt er sich umherschieben wie ’n Stück
Vieh. Von Pontius nach Pilatus, zwischendurch noch
zu Herodes …

Gehandelt wird auch. Wollt ihr lieber einen freien
Mörder oder diesen Jesus
? Fehlen nur noch die
Ersteigerungsgebote.
Und dann die Diplomatie
: Weiß zwar, dass Jesus
unschuldig ist, aber wenn ich ihm zustimme …
… schlecht für mein Image. Und wer will schon
sämtliche Beziehungen aufs Spiel setzen
- wegen diesem Jesus.

Was will der eigentlich
? Ein Gott, der sich selbst
nicht helfen kann. Guckt zu, wie ihm die Kleider
vom Leib gerissen werden, wie man darum lost;
hört, wie die Leute über ihn herziehen …
… und dann will er uns helfen
?

Da haben die Leute, die dabei waren, doch ’nen
klaren Durchblick gehabt
: Der stirbt - wie jeder
Mensch (noch dazu unter Verbrechern),
klopft große Sprüche – wie manche Menschen
(aber bei einigen steht wenigstens was dahinter),
lebt schon ein paar Jährchen unter Menschen
- aber Menschenkenntis hat er nicht (hätt’ sich
ja wenigstens rausreden können) und stellt die
typisch menschlichen Fragen
: „Warum ?“
(Originalton
: „Mein Gott, warum hast du mich
verlassen
?“)

Folglich
: Er war ein Mensch – und weiter nichts.
(Von ein paar hervorragenden Hilfsaktionen
und neuen Ideen einmal abgesehen.)

Einwände
? (Frage geht an Gott.)
Kommt aber nichts. Er schweigt. Stand nicht
irgendwo, dass Jesus das Wort ist
? Und jetzt
hat’s ihm die Sprache verschlagen
?
Keine Erklärung, Rechtfertigung, Erläuterung
?
Keine Drohung (mit seiner Allmacht) – nichts
?
Wenn er da nicht mal was sagt – ist das nicht
ziemlich …
Naja, er ist doch selbst schuld.
Und grausam. (Was den Vater betrifft.)
Wie kann man seinen eigenen Sohn töten
?
Oder opfern
? Oder was auch immer.
Die Menschen dadurch retten, dass man (Gott)
Blut vergießt
? Unvorstellbar – in der heutigen
Zeit auch gar nicht angebracht. Noch dazu
:
Welcher Mensch soll das annehmen
?

Egal. Meine Schuld ist es jedenfalls nicht.
Ich hab nicht gebrüllt
: „Kreuzige ihn !“ Ich hab
auch keine Entscheidung getroffen – weder für
noch gegen ihn. Brauche auch kein Opfer.
Mein Kerbholz ist rein. Da wird Gott staunen.
Noch was
: Verraten hätt’ ich Jesus nicht.
Ich habe ja nichts gegen ihn. So wie Judas.
War der engste Freund und hat ihn ans Messer
geliefert (und sich nachher mit Gewissensbissen
umgebracht). – Hätte eher gehandelt wie
Petrus
: Der hat Jesus wenigstens verteidigt.

Also, wegen mir hätte Jesus nicht
sterben brauchen
!

(c) bei Karsten Spilling (Ideesamkeit)

Auszug aus dem gleichnamigen Karfreitagstext “Ich - wasche meine Hände in Unschuld”
 

Der obige Auszug aus dem gleichnamigen Karfreitagstext “Ich - wasche meine Hände in Unschuld.” ist gedacht als Anregung bzw. Textvorschlag für den Einstieg des oben genannten Stundenentwurfes. Der Text ist auf die heutige Zeit aktualisiert - verbindet also den Blickwinkel des Pilatus mit dem eines heutigen Lesers. Als Ein-Mann-Anspiel vorgetragen wirft er die Frage auf, warum Jesus sterben musste. Die Rede von “Pilatus” zeigt unterschiedliche Gesichtspunkte dieser Frage und regt zur Diskussion an.

Wer diese Rede verwenden will, kann sich den Text gerne kopieren. Achtung: In Word & Co. dürften sich dann weiße Worte auf weißem Grund ergeben - also am besten den kopierten Text schwarz färben.
 

Der vollständige Karfreitagstext erscheint bei Gelegenheit mal auf www.ideesamkeit.de . Für das Ein-Mann-Anspiel im Rahmen des Stundenentwurfs benötigt man jedoch nur den oben stehenden Auszug.

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Letzte Aufdatung: 15. Sechster 2005

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