 |
 |
|
Am dritten Tag Gedichte von Dorothee Schuster
|
 |
 |
 |
|
Am dritten Tag
|
|
Nebelverhangener Himmel,
die ganze Nacht hatte es geregnet. Aber dann, aber dann ... brach die Sonne aus der Wolkendecke hervor.
Die Vögel, die sich vor der Dunkelheit
versteckt hatten, kamen heraus, bestaunten den neuen Tag. Die Luft schien reiner, das Licht wirkte heller als je zuvor, und sie begannen dankbar ihr Lied.
Die Schöpfung schien wie neuerwacht, als hätte es nie Tod und Zerstörung gegeben. Jeder, der sein Gesicht zum Himmel hob, dachte, er würde ewig leben
und niemals sterben.
Die Engel, wenige Stunden zuvor noch weinend und zitternd, stimmten mit der Schöpfung eine neue Hymne an. Sie tanzten,
sie tanzten auf den Sternen, klatschten in die Hände, in den Gesichtern glitzerten Freudentränen.
Die Jünger, immer noch staunend, fast ungläubig,
standen in dem sonnendurchfluteten Grab. Sie hörten die Botschaft, sie wagten kaum zu glauben, aber die Erkenntnis brach sich Bahn und auch sie weinten.
Gott lachte
über das ganze Gesicht, er hatte recht gehabt, tief im Innern hatte er gewusst, dass er sich niemals täuschen würde.
Sein Sohn hatte es vollbracht.
(c) bei Dorothee Schuster
|
|
|
 |
 |
 |
 |
|
Eiszeit
|
|
|
|
Sehen, nicht erkennen Hören, nicht verstehen
Reden, nichts sagen Gehen, nicht vorankommen Stille Zeit
Tasten, nicht berühren Fühlen, nicht empfinden Glauben, nicht wissen Hoffen, nicht erwarten Trauerzeit
Um sich selber Kreise ziehn Schließlich ganz stehen bleiben Mit geschlossenen Augen Und geduldig ausharren Wartezeit
Bis der spricht Der im Licht ist
Das Eis schmilzt Und alles wieder grünt Reifezeit
(c) bei Dorothee Schuster
|
|
|
Die Kerzen brennen nicht umsonst
|
|
|
|
|
Heute hab ich mal wieder festgestellt
Dass Gottes Zeitplan perfekt ist Du kamst in mein Leben Wie ein Morgengrauen in die Nacht
Dein Dasein, Dein Zuhören Dein Lachen Erhellen meine tiefe Trauer
Deine Nähe vertreibt Meine Einsamkeit Mit jedem neuen Tag
Oft sind es Kleinigkeiten Den Müll, den Du rausbringst Das Frühstück Das nach einer schlaflosen Nacht
Bereitet ist und auf mich wartet
Dein Kampf mit den Motten Es hat Dich eine Mahlzeit gekostet Nicht ein Vorwurf Nicht eine Mahnung Es war selbstverständlich für Dich
Der Einkauf, den Du Nach der Arbeit Noch schnell erledigst So wie die Wäsche Die gebügelt auf meinem Bett liegt
Und die tiefen Begegnungen Des Nachts
Wo Du zu mir kommst Um mich nur in den Arm zu nehmen Wenn meine Seele traurig ist
Da genügt ein Blick Ein leises Gefühl Um zu sehen Wie schlecht es mir geht
Dann bist Du da, du hörst mir zu Lässt mich weinen Egal wie müde Du bist
Die Gespräche mit Dir Fordern mich heraus Soviel Kraft sie mich auch kosten
Ich möchte sie nicht missen
Du fesselst meinen Geist Das Lachen, das Kichern Über die Alltäglichkeiten Des Lebens Erleichtern mein Herz Weil ich vergessen habe
Wie harmloses Herumalbern Befreien kann
Die Kerzen, die für mich brennen Flackern nicht umsonst Das Wissen, Dass Du täglich für mich betest Gibt mir immer wieder Kraft
Heute Nacht Nehme ich Dich fest in meine Arme Ich drücke und halte Dich Mir fehlen jegliche Worte Um zu sagen Wie kostbar Du mir bist
Gegen jegliche Vernunft
Wünschte ich Die Zeit mit Dir würde nie enden Auch wenn es mal vorbei sein wird Weiß ich doch Die Entfernung zwischen uns Ist nur räumlich
(für Drea)
(c) bei Dorothee Schuster
|
|
|
|
 |
 |
|
Ich habe für dich gebetet
|
|
|
|
In diesen schweren Zeiten,
wo deine Tage grau erscheinen und kein Stern deine Nacht erhellt, habe ich für dicheine Kerze angezündet.
Immer, wenn ich in die kleine, flackernde Flamme sehe,
erinnere ich mich daran, wie vor über zweitausend Jahren die Hoffnung in die Dunkelheit schien.
Das kleine Kind im Stall, ungewollt, unerwartet, unschuldig rein,
machte sich selbst zum Geschenk für die verlorene Welt.
Als es erwachsen war, kurz vor dem Opfertod am Kreuz, sprach es zu mir und zu dir: „Ich habe für dich gebetet.“
Jahrtausende später ist die Hoffnung immer noch nicht erloschen. In meinem Herzen trage ich dies Licht weiter, stelle die Kerze in dein Zimmer,
an dein Bett, in deine Nacht.
Das empfangene Vermächtnis leuchtet wie ein Stern in der Finsternis, und wie der, der damals sprach, rufe ich dir heute Nacht zu:
„Ich habe für dich gebetet, damit dein Glaube nicht aufhöre.“
(für Rudi, Moni und Trav)
(c) bei Dorothee Schuster
|
|
 |
 |
|
Lass ein Licht an
|
 |
 |
|
|
Stell mir eine Kerze
Ins Fenster meines Herzens Es ist so dunkel in mir Dass ich den Weg nicht weiß
Nimm meine Hand in deine Kann keinen Schritt alleine gehen Habe Angst zu fallen
Wenn du willst, Heb mich auf deine Schultern
Flüstere mir ins Ohr Hörst du nicht die Stille um mich Es ist so ruhig, ich bekomme Angst Hab stundenlang
Mit niemandem geredet
Streich mir übers Gesicht Es scheint so lange her Dass mich jemand berührte Dass man sich so Nach einer Umarmung sehnen kann
Man kann sich nicht selber gut tun
Begleite mich heute Nacht Bis zur Bettkante Setz dich zu mir Mag nicht allein schlafen gehen Schenk mir Geborgenheit
Lösche beim Lebewohl Nicht die Lampe Ich will nicht, dass du gehst Lass ein Licht an heute Nacht Damit ich merke Dass ich nicht einsam bin
(c) bei Dorothee Schuster
|
|
|
|
Valentinstag
|
|
|
Ganz ehrlich, mein Lieber, es gibt kaum einen Tag im Jahr den ich mehr fürchte als den Valentinstag.
Wenn ich durch die Stadt gehe
- beziehungsweise gehen muss, da ich es vermeide, an diesen Tag auch nur ein Geschäft zu betreten -
schreien mich die roten Blumen, die roten Herzen,
die roten Teddybären und all dieser ganze rote, kitschige Kram schon meilenweit vorher an.
Mal ehrlich, wer will sowas schon haben?
Kennst du einen Menschen, der sich ein rotes Herzkissen tatsächlich auf das Sofa legt?
Im Grunde ist das Gewese um diesen Tag doch furchtbar peinlich.
Wenn jemand nur zum Valentinstag Blumen kauft, spricht er sich selbst ein Armutszeugnis aus.
Aber weißt Du, wenn ich nach Hause komme
und niemand hat mir eine Karte oder einen Blumengruß geschickt, bin ich doch ein wenig enttäuscht.
Denn tief im Innersten meines Herzens,
hatte ich mir erhofft und gewünscht, dass Du vielleicht an mich gedacht hast.
Wenn ich ehrlich bin, ist das der einzige Grund, warum ich diesen Tag
aus tiefster Seele hasse ...
(c) bei Dorothee Schuster
|
|
|
|
 |
 |
|
Möwe im Wind
|
 |
 |
|
Mein Leben ist manchmal
Wie eine einzige Schwerelose Stimmung Ich lebe und fühle mich So weit und frei Wie eine Möwe im Wind
Und dann bekomme ich Angst Es könnte vorübergehen Das Leben und Lieben
Die Lust und die Kraft Aber auch der Schmerz Der Wahn und die Trauer Und alles entschwinden So weit, weit weg
Wie eine Möwe im Wind
(für Toto)
(c) bei Dorothee Schuster
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
Fußung
|
|
|
|
www.ideesamkeit.de -> Gedichte & Texte -> Am dritten Tag
(Gedichte von Dorothee Schuster). - Rechtlicher Hinweis zu Verweisen & Ko. auf vorgenannter Startseite. Letzte Auffrischung dieser Unterseite: 9. Elfter 2005
|
|
|
|
Suchbegriffe für Suchgewerkel
|
|
|
Für Suchgewerkel: Gedichte von Dorothee Schuster über Glaube, Gott, Jesus, Einsamkeit, Stille, ...
|
|
|
|
|
|
|